Unordnung mit System – Die Arche in Linnich geht neue Wege in der Demenzpflege

Unternehmen | 22.09.25
TEILEN

Die Wohnanlage Die Arche in Linnich setzt auf ein besonderes Konzept: die sogenannte „Haus-Unordnung“. Statt fester Abläufe orientiert sich der Alltag hier an den individuellen Lebensrhythmen der Bewohner:innen. Ziel ist es, ein Zuhause zu schaffen, das Freiheit, Sicherheit und Geborgenheit zugleich vermittelt.

„Wir begleiten, wir kontrollieren nicht – und wir akzeptieren, dass ein Alltag auch mal bunt, schief und unordentlich sein darf“, erklärt Einrichtungsleiterin Birgit Kerski. „Egal in welches Heim man einzieht, man gibt viel von seiner Entscheidungsfreiheit, von seiner Würde ab. Da entscheidet üblicherweise das Personal, wann man geduscht wird. Bei uns muss man nicht gestriegelt um 8 Uhr am Frühstückstisch sitzen.“

Im Alltag bedeutet das, dass biografische Gewohnheiten berücksichtigt werden. Kerski erinnert sich an einen Bewohner: „Einer unserer Bewohner war früher Bergmann. Ihn morgens nach dem Aufstehen duschen zu wollen, war ein hoffnungsloses Unterfangen. Aber um 14 Uhr, wenn seine ,Schicht‘ beendet ist, geht er ohne viel Federlesen mit ins Bad. ,Der Dreck muss ab‘, sagt er dann.“

Auch beim Essen gilt Flexibilität: „Es gibt Bewohner, die sich lange vegetarisch oder vegan ernährt haben und nun beherzt in ihr Schnitzel beißen. In der Krankheit ist vieles anders.“ Angehörige müssten diesen Prozess oft erst verstehen und akzeptieren.

Besonders sichtbar wird das Konzept in der Gestaltung der Räume. „Die Schlafzimmer haben je eine blaue Wand, weil das angstlösend und schlaffördernd wirken soll, die Flure mit den Außentüren und Treppen haben ein ,hässliches Gelb‘, sodass sich die Bewohner dort nicht gern aufhalten“, erklärt Kerski.

Die Haltung, Freiheit mit Sicherheit zu verbinden, zeigt sich auch nachts. „Wenn nachts jemand einen Gartenspaziergang machen möchte, gibt die Türanlage ein Signal an die Mitarbeiter – nicht, um den Spaziergänger wieder reinzuholen, sondern um ihn bei Kälte oder Regen mit der entsprechenden Kleidung auszustatten. Hier ist nachts genauso viel los wie tags.“

Die Resonanz auf das Konzept ist groß, die Warteliste entsprechend lang. Kerski appelliert deshalb an Angehörige, frühzeitig Unterstützung zu suchen: „Viele pflegen ihre Partner oder Eltern zu Hause so lange, bis sie selbst an ihre körperlichen und seelischen Grenzen kommen. Ich wünsche mir da mehr Weitsicht und ein Auge auf die eigenen Ressourcen.“

Die Wohnanlage Die Arche zeigt so, dass ein Pflegeheim weit mehr sein kann als ein Ort der Betreuung. Es ist ein Zuhause, in dem Menschen mit Demenz ihre Persönlichkeit bewahren dürfen – auch wenn der Alltag bunt, lebendig und manchmal unordentlich ist.

Mehr aus Unternehmen

Praxistag der Geschäftsführung an der Zitadelle Jülich

Führung bedeutet für uns mehr als Strategie und Entscheidungen im Büro. Wirkliche Führung entsteht dort, wo der Alltag unserer Bewohnerinnen und Bewohner stattfindet und wo unsere Teams täglich mit...

Welcome Leadership Days bei compassio

Zum vierten Mal fanden unsere Welcome Leadership Days statt – und auch dieses Mal war es wieder eine besondere Gelegenheit, neue Führungskräfte willkommen zu heißen, Verbindungen zu...

Das Warten hat sich gelohnt: Unsere Gewinner stehen fest

Während die deutsche Nationalmannschaft bei der WM früh die Heimreise antreten musste, wurde bei compassio bis zum Schluss mitgefiebert: Unser internes WM-Tippspiel ist beendet – und die...

Baustart für neue Seniorenresidenz in Peine

Aus der alten Post wird ein neues Zuhause

In Peine hat der Bau einer neuen Seniorenresidenz begonnen. Gemeinsam mit dem Projektentwickler Cureus und dem Generalunternehmer MBN GmbH entsteht auf...

Willkommen bei compassio: Oliver Sanchez ist neuer CFO

Wir freuen uns, Oliver Sanchez als neuen Geschäftsführer Finanzen (CFO) bei compassio begrüßen zu dürfen. Seit dem 1. Juli 2026 verstärkt er die Geschäftsführung mit seiner langjährigen Erfahrung im...

Über 100 Möglichkeiten, Neues zu lernen

Weiterentwicklung gehört bei compassio ganz selbstverständlich dazu. Deshalb bietet unser Fortbildungsprogramm jedes Jahr eine große Auswahl an praxisnahen Schulungen und Weiterbildungen für unterschiedliche Berufsgruppen.

Von Humor & Demenz, Aromapflege oder Bewegung trotz(t)...

Team compassio beim 4. Dürener Firmenlauf

Beim 4. Dürener Firmenlauf war das Team compassio mit rund 40 motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Start. Über 1.700 Läuferinnen und Läufer aus 126 Unternehmen und Behörden...

Hitzeschutz für unsere Bewohnerinnen und Bewohner

Heiße Sommertage können schön sein. Für ältere, pflegebedürftige oder vorerkrankte Menschen können sie aber schnell zur Belastung werden. Der Körper reguliert Wärme im Alter oft weniger gut, das Durstgefühl...

Digitalisierung in der Pflege darf kein Techniktheater sein.

Eine neue App, ein Sensor oder ein KI-Tool machen den Pflegealltag nicht automatisch besser. Wirklich sinnvoll wird Digitalisierung erst dann, wenn sie Mitarbeitende entlastet, Prozesse verbessert und Pflegequalität...

Tag der Pflege 2026: 10.000 Hoodies für 10.000 Mitarbeitende

Der internationale Tag der Pflege am 12. Mai ist für compassio ein besonderer Anlass, um unseren Mitarbeitenden Danke zu sagen. In vielen Einrichtungen wurde dieser Tag mit...