Der Werdenfelser Weg bei Demenz stellt Selbstbestimmung und individuelle Lösungen in den Mittelpunkt. Im Seniorendomizil Haus Marienthal in Deggendorf wird das Konzept seit 2024 umgesetzt.
Wie können Menschen mit Demenz möglichst selbstbestimmt leben und gleichzeitig die Unterstützung erhalten, die sie benötigen? Im Seniorendomizil Haus Marienthal in Deggendorf beschäftigt sich das Team täglich mit dieser Frage.
Seit 2024 setzt die Einrichtung den Werdenfelser Weg bei Demenz um. Das Konzept hinterfragt freiheitsentziehende Maßnahmen wie herkömmliche Bettgitter oder Gurte im Rollstuhl sowie sedierende Medikamente und sucht nach individuellen Alternativen, wo dies medizinisch möglich und vertretbar ist.
Bei sturzgefährdeten oder an Demenz erkrankten Bewohnerinnen und Bewohnern kommen im Haus Marienthal beispielsweise Klingelmatten zum Einsatz. Sie geben ein Signal, wenn jemand aufsteht. So können Mitarbeitende reagieren und bei Bedarf rechtzeitig unterstützen.
Neben dem Werdenfelser Weg spielt die Biografiearbeit eine wichtige Rolle. Gespräche mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie Angehörigen helfen dabei, frühere Gewohnheiten, Erfahrungen und vertraute Routinen kennenzulernen.
„Bei der Betreuung unserer Bewohner mit Demenz ist darüber hinaus die biographische Arbeit das A und O“, erklärt Anja Fehler, stellvertretende Pflegedienstleitung im Haus Marienthal.
Gerüche, Musik oder Bewegung können Erinnerungen ansprechen und einen Zugang zu den Bewohnerinnen und Bewohnern schaffen.
Wie individuell die Betreuung sein kann, zeigt ein Beispiel aus dem Haus: Ein Bewohner stand regelmäßig sehr früh auf. In Gesprächen stellte sich heraus, dass er früher im Schichtdienst gearbeitet hatte und über Jahre gegen 3.30 Uhr aufgestanden war. Im Haus Marienthal wurde diese vertraute Routine berücksichtigt – in diesem besonderen Fall auch mit einem Frühstück am frühen Morgen.
Der Werdenfelser Weg bei Demenz und die individuelle Biografiearbeit verfolgen im Haus Marienthal einen wichtigen Gedanken: den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen.
„Ein an Demenz erkrankter Mensch wird nicht wieder zum Kind, er bleibt trotzdem ein Erwachsener“, betont Anja Fehler.
Gerade bei Veränderungen können vertraute Gerüche oder Musik helfen. Auch wenn Sprache zunehmend eingeschränkt ist, bleiben Möglichkeiten zur Kommunikation – etwa über Berührungen, Blickkontakt oder basale Stimulation.
Das Haus Marienthal setzt dabei auf individuelle Betreuung und einen möglichst selbstbestimmten Alltag. Anja Fehler bringt den Ansatz auf den Punkt:
„Was zählt, ist, dass es ihnen in diesem Moment gut geht.“
Weitere Einblicke in die Arbeit des Haus Marienthal und den vollständigen Presseartikel finden Sie hier:
➡️ Zum Artikel der Donau-Anzeiger