Im Seniorendomizil Haus Rudolf in Durmersheim sorgt Therapiehündin Lola-Sue regelmäßig für besondere Begegnungen. Gerade bei Menschen mit Demenz können die Besuche Erinnerungen wecken, Gespräche anregen und für schöne Momente im Alltag sorgen.
Wenn Labradorhündin Lola-Sue das Seniorendomizil Haus Rudolf in Durmersheim besucht, ist die Freude groß. Seit rund einem Jahr kommt die ausgebildete Therapiehündin gemeinsam mit Simone Seybold etwa alle zwei Monate in die Einrichtung. Inzwischen sind Verbindungen entstanden: Bewohnerinnen und Bewohner erinnern sich an Lola-Sue und erkennen sie wieder.
Beim jüngsten Besuch bekam Lola-Sue tierische Unterstützung: Vier Hunde von Pflegekräften des Seniorendomizils waren ebenfalls dabei. Gemeinsam sorgten sie für viele Begegnungen, Gespräche und Erinnerungen.
Für das Team im Haus Rudolf steht bei der Begleitung von Menschen mit Demenz ein individueller Umgang im Mittelpunkt.
„Wir holen die Bewohner da ab, wo sie sich gerade befinden“, erklärt Pflegedienstleiterin Jana Schindler.
Statt Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder mit einer Realität zu konfrontieren, an die sie sich möglicherweise nicht erinnern können, versucht das Team in schwierigen Situationen, die Gedanken umzulenken. Dabei können die regelmäßigen Besuche von Lola-Sue helfen.
Die Begegnungen mit den Hunden wecken zudem Erinnerungen an frühere Lebensabschnitte. Während des Besuchs erzählen Bewohnerinnen beispielsweise von den Hunden, die sie selbst einmal hatten. So entstehen Gespräche ganz selbstverständlich.
Und auch wenn die Sprache fehlt, kann die Begegnung wirken. „Es bleibt trotzdem das Gefühl“, beschreibt Jana Schindler das Wohlbefinden beim Streicheln der Tiere.
Die Besuche verbinden Begegnung und Aktivierung miteinander. Lola-Sue würfelt beispielsweise mit ihrer Schnauze Buchstaben. Die Bewohnerinnen erkennen diese und nennen anschließend Wörter, die mit dem jeweiligen Buchstaben beginnen. Auch kleine Parcours gehören zu den Übungen und werden von der Gruppe begleitet.
Wie viel ein Hund manchmal bewegen kann, zeigt eine weitere Erfahrung von Simone Seybold: Eine Bewohnerin, die ihr Zimmer zunächst nicht verlassen wollte, ließ sich mithilfe von Lola-Sue zu einem Spaziergang bewegen. Als die Hündin vermeintlich eine Pause brauchte, stand die Bewohnerin sogar aus ihrem Rollstuhl auf und schob diesen für sie.
Der Hundebesuch war Teil der Aktionen im Haus Rudolf rund um den Welt-Alzheimertag am 21. September. Das Seniorendomizil möchte damit auf das Thema Demenz aufmerksam machen und das Verständnis für Betroffene und ihre Familien fördern.
Für das Team zeigen die Begegnungen vor allem, wie unmittelbar Tiere Menschen erreichen können.
„Das Schöne ist das Strahlen, die Freude der Bewohner“, sagt Jana Schindler.
compassio finanziert das tiergestützte Angebot im Haus Rudolf. Und am Ende der gemeinsamen Stunde darf natürlich eines nicht fehlen: ausgiebige Streicheleinheiten für die vierbeinigen Besucher.