Connext Vivendi & compassio: Lösungen zur Umsetzung des Personalbemessungsverfahren PeBeM in der stationären Pflege

Unternehmen | 02.10.23
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Wie compassio das PeBeM mit der smarten Maßnahmenplanung von Vivendi IntelliCare umsetzen will.

Herr Eger, bis 2025 soll das neue Personalbemessungsverfahren in allen stationären Pflegeeinrichtungen umgesetzt sein. Ein Masterplan zur Bewältigung dieser Herausforderung steht jedoch noch aus. Daher arbeiten compassio und Connext intensiv an einer möglichen Umsetzung, mit dem Ziel, ein Best-Practice-Beispiel zu entwickeln, das als Blaupause für zahlreiche Einrichtungen dienen kann. Dabei streben Sie innovative Ansätze an, richtig?

Richtig, die Initiative startete bereits im Jahr 2020, als wir erkannten, dass unsere Einrichtungen der compassio Süd in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz einen einheitlichen Dokumentationsstandard benötigen, um die Anforderungen der neuen Qualitätsprüfung bewältigen zu können. Daraufhin führten wir einen Workshop durch, bei dem regionale Qualitätsbeauftragte und Einrichtungen aus den drei Bundesländern teilnahmen. Gemeinsam überarbeiteten wir die SIS und die Maßnahmenplanung, definierten einen neuen Maßnahmenkatalog und legten damit den Grundstein für eine neu strukturierte Aufgabenverteilung im stationären Umfeld. Parallel dazu stimmten wir unser Konzept mit dem Interventionskatalog nach Rothgang ab und stellten fest, dass wir bereits viele seiner Empfehlungen berücksichtigt hatten. Somit war der Grundstein für die Umsetzung des PeBeM bereits gelegt.

Das klingt sehr vielversprechend. Welche Veränderungen erwarten Sie durch das neue Verfahren?

Derzeit folgen wir dem Ansatz „Alle machen alles“, doch angesichts begrenzter Ressourcen ist dieser nicht nachhaltig. Aus diesem Grund führen wir nun vier Qualifikationsniveaus ein, die auf kompetenzbasierten Aufgabenverteilungen basieren: von der Servicekraft und der Pflegehilfskraft mit und ohne Ausbildung bis hin zur Pflegefachkraft. Die Mitarbeiter werden nach dem 40/30/30-Qualifikationsmix eingesetzt, was bedeutet, dass etwa 40 Prozent Pflegefachkräfte (QN 4), 30 Prozent Assistenzkräfte (QN 3) und 30 Prozent Hilfskräfte (QN1 und QN 2) umfasst. Dadurch wird es mehr Hilfskräfte geben, die Fachkräfte unterstützen können. Dies ermöglicht den Fachkräften, sich vermehrt der Behandlungspflege, wie Medikamentengabe und Wundversorgung, zu widmen. Statt „Alle machen alles“ werden wir nun „Wer macht, wann, was“ organisieren und planen müssen, was sämtliche Bereiche betrifft, von der Dienst- bis zur Maßnahmenplanung sowie der Pflege und Dokumentation.

Das klingt nach einer großen Herausforderung. Wie beabsichtigen Sie, diese zu bewältigen?

In unserer Pilot-Einrichtung „Haus Elfriede“ werden wir die Dokumentation mithilfe von Vivendi Mobil im stationären Kontext einführen. Das bedeutet, dass wir die Maßnahmen zwar mithilfe von Vivendi PD am Desktop planen, die Pflegekräfte jedoch individuelle Aufgabenpakete über Vivendi Mobil erhalten, die sie während ihres Dienstes mobil dokumentieren können. Wir möchten uns von der Idee einer stationären Tourenplanung verabschieden und hin zu einem individuellen Aufgabenplan übergehen, der auf die Qualifikationen der einzelnen Mitarbeiter zugeschnitten ist. Hierbei wird uns auch das Modul Vivendi IntelliCare unterstützen, das in Vivendi PD Web als smartes Vorschlagswesen integriert ist. Dieses Assistenzsystem schlägt basierend auf der Dokumentation Maßnahmen für Bewohner vor. Wenn das System beispielsweise über mehrere Tage hinweg einen erhöhten Blutdruck feststellt, schlägt es vor, die Medikamente zu überprüfen und anzupassen. Bei Gewichtszunahme empfiehlt es Bewegung.

Welche Vorteile erwarten Sie von der Integration des smarten Vorschlagswesens in die PeBeM-Umsetzung?

Bei der herkömmlichen Tourenplanung landen alle Maßnahmen eines Wohnbereichs in einem Topf. Dieser muss dann aufwendig aufgeteilt werden, um die verschiedenen Pflegearten zu unterscheiden. Wenn ein Mitarbeiter ausfällt, muss die Tour neu geplant werden, und dies birgt das Risiko, dass Personen Aufgaben übernehmen, die eigentlich weniger zu tun haben, was letztendlich wieder zu einer ineffizienten Verteilung führt. Die große Chance bei der Integration und Verknüpfung der verschiedenen Vivendi-Anwendungsbereiche Abrechnung, Dokumentation und Personaleinsatzplanung liegt darin, dass auf aktuelle Ereignisse wie eine veränderte Pflegesituation oder den Ausfall eines Mitarbeiters jederzeit reagiert werden kann, ohne dass Daten aktiv zwischen den Anwendungsbereichen hin- und hertransportiert werden müssen. Dies ermöglicht einen optimalen und effizienten Ressourceneinsatz und kann die Qualität verbessern. Dies ist meine Hoffnung für KI in der Pflege.

Nach welchen Kriterien planen Sie die Aufgabenverteilung?

Der Interventionskatalog nach Rothgang legt bereits fest, welche Qualifikationsniveaus welche Aufgaben ausführen dürfen. Diese Informationen haben wir in unseren Maßnahmenkatalog übernommen und die Aufgaben mit den entsprechenden QNs versehen. Allerdings sagt dies noch nicht aus, welcher Mitarbeiter die Aufgabe durchführen soll. Ein Mitarbeiter mit Q4 könnte theoretisch alle Aufgaben ausführen, sollte er jedoch nicht. Daher muss ein Umdenken stattfinden, und Vivendi IntelliCare fungiert hier letztendlich als Vorfilter, der die Maßnahmen automatisch den Mitarbeitern zuweist, die dafür qualifiziert sind.

Welche konkreten Erwartungen haben Sie an das System?

In den Einrichtungen sind oft dieselben Mitarbeiter für die Pflegeprozessplanung verantwortlich, meistens die Wohnbereichsleitung oder der QM-Beauftragte. Wir möchten jedoch, dass sich zukünftig auch andere Mitarbeiter mit diesen Aufgaben befassen können. Wir erhoffen uns außerdem, dass die Mitarbeiter weniger Zeit für eine zeitaufwändige Prozessplanung benötigen, die für die Qualitätsprüfung erforderlich ist. Mitarbeiter, die sich bisher wenig mit der Pflegeprozessplanung beschäftigt haben, sollen ein innovatives System an die Hand bekommen, das sie bei ihrer Arbeit unterstützt. Wenn wir noch weiterdenken, könnte ein Sprachassistent eine wertvolle Ergänzung sein, den man um Rat fragen kann, um geeignete Schritte zu bestimmen.

Können Sie einen Ausblick auf das geplante Pilotprojekt geben?

Ende September planen wir die Einführung von Vivendi Mobil im „Haus Elfriede“. Dort werden wir die Mitarbeiter im Umgang damit schulen, wobei wir auch E-Trainings und Lernnuggets aus dem Vivendi Anwenderportal nutzen werden, um die Funktionen leicht verständlich zu erklären. Anschließend werden wir das neue System drei Monate lang testen und prüfen, ob es für eine trägerweite Einführung geeignet ist. Wir haben keine festen Meilensteine gesetzt, da es kein Patentrezept für die PeBeM-Umsetzung gibt. Unser Fokus liegt darauf, neue Wege zu gehen und Prozesse zu überdenken. Hierfür haben wir verschiedene Werkzeuge, die wir ausprobieren möchten. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Connext als unserem Partner.

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